Vorpommerns Angler in Aufruhr
Autor:
Hans - Werner Räth
Datum: 27. Februar 2000
Alljährlich ab Mitte März warten Vorpommerns Angler sehnsüchtig auf
den Einzug der riesigen Heringsschwärme in den Strelasund.
Nun machen Schlagzeilen in der Presse wie "Strahlende Gesichter bei
Stralsunds Fischern", "Seit Anfang Februar wird Hering
gefangen" oder "Tonnenweise Hering im Greifswalder Bodden
gefangen", Vorpommerns Angler wild.
Die ersten Angler machen sich sofort nach dem Bekanntwerden dieser Nachrichten
auf den Weg zu den beliebtesten Angelplätzen. Aber Fehlanzeige, der
Hering beißt noch nicht.
Das Wasser ist noch zu kalt, die Heringsangler müssen mindestens noch 14
Tage warten.
Was man über den Hering wissen sollte:
Die großen Heringsschwärme unternehmen jahreszyklische Wanderungen,
insbesondere zu speziellen
Laichplätzen, die immer wieder aufgesucht werden. Spezielle Laichgebiete
sind bei uns in Vorpommern
der Greifswalder Bodden, der Strelasund und der Große Jasmunder Bodden mit
seinen Wieken, Buchten, Häfen und Kanälen.
Die Heringe, die Planktonfresser sind, beißen auf alles, was bis 10 mm lang
ist und sich bewegt. Deshalb wird beim Heringsangeln nur das
Heringspaternoster verwendet. Die Heringssaison zieht sich von Mitte März
bis Ende April hin. Das Mindestmaß beträgt 16 cm.
Der Hering ist nicht nur ein sehr wohlschmeckender Speisefisch, wenn er gleich
nach dem Fang in die Butterpfanne kommt, sondern auch ein guter
Köderfisch.
Mit ihm werden Dorsche, Hornhechte und Plattfische ( Fetzen ) gefangen.
Heringe verderben sehr schnell und sollten am gleichen Tag noch verarbeitet
werden. Überfänge sollten in
einem sauren Sud konserviert werden. Bei längerem Aufbewahren in der
Tiefkühltruhe schmeckt der Hering tranig. Er ist außerdem ein guter
Räucherfisch ( Bückling ).
Gerätezusammenstellung und Angelmethoden:
Da vom Land oder vom Boot aus geangelt wird, setzt man folgende
Angelgeräte ein:
Eine leichte, sensible Rute ( Länge ca. 3 m und Spinnrolle mit
höchstens 35er Angelschnur ).
Heringspaternoster mit Goldhaken blank oder mit Fischhautimitation ( in
Stralsund sind 6 Haken am Paternoster erlaubt ).
Als Endgewicht ein Heringsblei von ca. 50 gr.
Der Heringsschwarm befindet sich in unterschiedlichen Tiefen, deshalb wird das
Paternostersystem zuerst zum Grund abgelassen. Danach wird die Rute leicht
angehoben und wieder gesenkt. Hat es nach dreimaligem Heben und Senken keinen
Biß gegeben, zwei Rollenumdrehungen Schnur einholen und wiederholen und zwar
solange, bis die Höhe des Schwarmes erreicht ist.
Der Hering muß sehr vorsichtig gedrillt werden, da der Haken sehr leicht
aus dem Maul schlitzt.
Äußerst schwierig ist das Ausheben der Heringe von der
Rügendammbrücke ( ca. 10 m Höhenunterschied sind zu überwinden
). Es ist nicht selten, dass von 5 gehakten Heringen nur einer den Angler
erreicht.
Fangorte:
Wie bereits erwähnt, ist der beliebteste Angelplatz die
Rügendammbrücke. Während der Hauptsaison ist mit bis zu 200
Anglern auf dem Rügendamm zu rechnen. Wer einen guten Platz ergattern
will, muss früh am Angelplatz sein. Da im Schulterschluss geangelt wird,
muss Disziplin gehalten und Rücksicht genommen werden. Zu beachten ist
auch, dass man sich unmittelbar an einer Bundesstraße ( B96 ) befindet,
also beim Werfen bitte immer zuerst nach hinten sehen !!!, und unter der
Brücke der Bootsverkehr läuft.
Ein Eimer für das Aufnehmen der Fische sollte unbedingt vorhanden sein. Da
der Fußweg vom Parkplatz bis zum Angelplatz ca. 15-20 min in Anspruch nimmt,
ist zu überlegen, wieviel Angelgerät man mitnimmt. Zumal auf dem
Rückweg ja die vielen Heringe getragen werden müssen.
Parkplätze sind auf der B 96 von Stralsund in Richtung Rügen auf dem
Dänholm und hinter dem Rügendamm
( erste Ampelkreuzung rechts oder links abbiegen ) vorhanden.
Einheimische erreichen ihren Angelplatz mit dem Fahrrad. Wer den weiten Weg
scheut, kann auch Heringe im Hafenbereich ( Nordmole ) angeln. Parkplätze
( gebührenpflichtig ) sind im Hafenbereich vorhanden. Wer die
Möglichkeit hat, mit einem Bootsangler zu fahren, sollte dieses nutzen.
Das Angeln ist dann wesentlich gemütlicher und materialschonender. Es
kommt nämlich hin und wieder vor, daß ungeübte Sportfreunde
anstatt 5 Heringe, 5 Monturen anderer Angler aus dem Wasser ziehen.
Private Schiffsunternehmen bieten auch Angelfahrten ab Altefähr an:
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Kutter bis zu 12 Personen für 4 Stunden a DM 35,- von 09.00 - 13.00 Uhr
und von 13.00 - 17.00 Uhr
(täglich)
Kleines Boot bis zu 5 Personen für 4 Stunden a DM 35,- von 09.00 - 13.00
Uhr und von 13.00 - 17.00 Uhr
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Im Gegensatz zur westdeutschen Ostseeküste ist für das Angeln im
Strelasund und den angrenzenden Boddengewässern eine separate Angelkarte
erforderlich.
Tageskarten 5,- DM
Wochenkarten 10,- DM
Jahreskarten 30,- DM
Auskünfte hierzu erteilt der "Angelladen Ziese" unter folgender
Telefonnummer 03831-294382.
Übernachtungen sind ebenfalls möglich:
1 Übernachtung + Frühstück + 4 Stunden Angeln ( ab
Altefähr ) für 80.- DM im Hotel "Sundblick".
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