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Autor: Karsten Räth
Norwegen 1996, Dänemark 1997 alles per Auto zu erreichen, da mußte ich wohl wieder ran, nein rein ins Flugzeug. Ich der die Flugzeuge lieber von weitem sieht, auf dem Weg ins Büro oder gemütlich beim Bier in Schwiegervaters Garten. Wir hatten Zakynthos auserkoren, eine der Ionischen Inseln, deren bekannteste wohl Korfu ist. Die Reisevorbereitungen gleichen sich eigentlich immer wieder ein wenig, Reiseführer kaufen, Videos ansehen und Kataloge wälzen. Griechenland ist bekannt durch seine sehr reichhaltige Küche, da buchten wir natürlich das Hotel nur mit Frühstück. Gewarnt durch den "erholsamen" Cluburlaub auf Fuerteventura suchten wir uns eine ruhige Ecke im Südosten ( Vasilikos ) der Insel abseits der Touristenhochburgen ( Laganas ) aus und vor allen Dingen einen anderen Reiseveranstalter. Als Reisezeit wählten wir die ersten beiden Oktoberwochen mit dem Vorteil, daß das Wasser des Mittelmeeres noch schön warm, die Lufttemperaturen aber schon auszuhalten und besonders nicht mehr soviele Menschen im Urlaub sind. Für mich als Angler galt das Hauptaugenmerk der Vorbereitung logischerweise dem mitzunehmenden Angelzeug. Wieder ein Gas - Wasser - Sch... - Rohr mit Ruten zu beladen und mich den spöttischen Blicken der anderen Reisenden auszusetzen, dazu hatte ich eigentlich keine Lust, also mußte eine Rute her, die in unseren riesigen Koffer paßte. Ich kaufte mir eine Teleskoprute von 3,60 m Länge mit einem Wurfgewicht von 30 - 60 g, da ich dort in diesem Teil des Mittelmeeres eh` keine Riesen erwartete, sollte diese Angel etwas für die diversen Brassensorten ( z.B. Geißbrasse ) sein.
So, die Reisevorbereitungen waren abgeschlossen, aber so richtige Vorfreude kam nicht auf, ich mußte ja fliegen, außerdem war wieder eine Zwischenlandung vorgesehen, auf einem Militärflugplatz in Araxos auf dem Festland, da wurden die dortigen Urlauber eingesammelt und später wieder nach Deutschland geflogen. Und wie es immer so ist, der Flug bis Araxos war sehr ruhig, dafür die Landung um so heftiger, es lösten sich dabei einige Teile mit den Schwimmwesten über den Sitzen der Passagiere aus der Verankerung und klappten herunter. Der lakonische Kommentar des Bodenpersonals zur Stewardess: "Das haben wir aber auch schon einmal besser gesehen, auch von dem Herrn da vorne.." und meinte damit den Piloten. Der Flug über das Wasser war in 20 Minuten abgehakt, diesmal flog der Käptn` selbst und landete butterweich auf dem einzigen Rollfeld der kleinen Insel.
Das Wetter war hervorragend, warm aber relativ feucht. Wir wurden mit einem Taxi abgeholt, in dem schon zwei Personen saßen, ich fragte mich bloß, wie unsere Koffer da noch reinpassen sollten. Aber die Griechen sind da nicht so, Klappe auf, Koffer rein, Gummistraps hält Klappe und ab geht die Post. Da saßen wir nun zu fünft in diesem Auto, das Handgepäck auf dem Schoß, mein Kopf immer auf unsere Koffer gerichtet, die ich sogar vom Rücksitz aus sehen konnte und Vollgas die ca. 20 km zu unserem Hotel. Das Hotel "Aquarius" ist nicht sehr groß, hat ungefähr 20 Zimmer und wird durch die Inhaber selbst geführt, das heißt also, die Zimmer sind sehr sauber, man wird zuvorkommend und sehr höflich behandelt und es wird auch deutsch gesprochen. Was kann man in Zakynthos alles so anstellen ? Auf jeden Fall sollte man sich ein Auto mieten und damit die Insel erkunden, die Damen bei Sixt waren aber nicht sehr freundlich. Wir hatten schon in Deutschland einen Kleinwagen bestellt und bekamen eine Gurke von Auto ( Subaro Vivio - Ich habe so´n Ding in Deutschland noch nie gesehen. ), dagegen ist ein Fiat Panda noch eine Luxuskarosse.
Natürlich auch Angeln ... Der Reisebericht ist noch nicht zu Ende, keine Angst, denn Angeln waren wir natürlich auch, das ist ja eh` das Wichtigste, was auf dieser Seite zu lesen ist. Einheimische Angler gibt es auf Zakynthos eine ganze Menge.
Was gab es sonst noch erzählenswertes ? Wir waren jeden Tag in einer Taverne zum Abend essen. Die Bedienung war immer freundlich, es wurde uns des öfteren ein Drink ( Ouzo, logisch ) spendiert, bei den Russen sagt man wohl "sto gramm", soll heißen wir haben manchmal schon das Weite suchen müssen, um noch heil ins Hotel zu kommen. Ständige Begleiter, speziell in unserer Lieblingstaverne, waren Katzen, Gekkos und Falter, deren Körper fast Daumenstärke hatten. Ein besonderers Erlebnis, an das ich mich noch immer ungern erinnere, ereilte uns nach der Hälfte unserer Reise. Wir wurden morgens im Bett mächtig durchgerüttelt, ein Seebeben der Stärke 4,9 - 5,1 machte meiner Erholung ein jähes Ende. Es ist ja nichts passiert, aber war das nun alles, oder etwa Vorboten eines größeren Erdbebens ? Als Urlauber wurde man natürlich beruhigt, das passiert hier schon öfter mal, die Häuser halten alle einem Erdbeben von mindestens der Stärke 8 auf der Richterskala stand. Würden Sie diese Aussagen beruhigen ? Ja ? Dann gehören Sie wahrscheinlich zu den glücklichen Menschen, die das Leben wohl unbeschwerter genießen können als ich, sie fliegen bestimmt auch gern, fahren gern mit einer Fähre, die vorher gebrannt hat und haben auch nie Streit mit Ihren Mitmenschen. Meine Unruhe wuchs nämlich wieder, als sich fast genau 24 Stunden später das gleiche Schauspiel wiederholte, ich kann sagen, der Urlaub war für mich zu diesem Zeitpunkt eigentlich beendet. Jetzt war mir auch klar, warum an einem Angeltag das Meer trotz Windstille mit riesigen Wellen gegen die Landzunge peitschte, auf der ich immer angelte, es war nämlich der Tag, an dem die Erde zum ersten mal bebte, wir hatten es bloß nicht gemerkt, da wir uns gerade auf der Tour zum Schiffswrack befanden. Eine Lehre zog ich aus diesem Vorfall, den Reiseführer vorher lesen und nicht hinterher. Darin erfuhren wir dann auch, daß Zakynthos und die Nachbarinseln Kefallonia und Ithaka 1953 von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht wurden, bei dem fast die gesamte Insel zerstört wurde. Jetzt weiß ich auch, daß Erdbeben auf Zakynthos wohl ganz normal sind, hier einige Daten: 1994 -> Stärke 5,71996 -> Stärke 5,4 1997 -> Stärke 6,7 1998 -> Stärke 4,9 - 5,1 1999 -> Stärke 4,9 So, nun aber keine Angst, Zakynthos ist sicher, die Häuser sind alle aus einem Stück gebaut. Wir haben es während der 14 Tage unseres Besuchs beobachtet. 2 ! Leute haben das ganze Haus erst einmal aus Schalbrettern und Moniereisen aufgebaut, dann kamen die Betonmischer und haben den Beton reingepumpt, fertig. Diese Häuser können wohl nur noch im Stück transportiert werden. Aber, wer einmal das Gefühl haben möchte, ein Erdbeben hautnah zu erleben, für den ist Zakynthos erste Wahl. Wir haben aus "Spaß" mal an unserem Bett gerüttelt, um zu sehen, ob es wirklich so doll war. Es war, denn das Bett bewegte sich keinen Zentimeter. Zakynthos hat auch noch mehr zu bieten, als Erdbeben, nämlich schöne Strände, hektischen Verkehr, tolle Landschaften und guten Ouzo. © 2000 by Angelheini |